Sonntag, 6. Januar 2013

Unser kulinarisches Paris

Auslage der Patisserie Regis

Bevor wir gemeinsam in den ruhigen Hafen der Ehe einlaufen, haben wir uns nochmal etwas ganz besonderes gegönnt: Paris für Gourmets. Endlich haben wir es geschafft, in die Stadt der unendlichen Genüsse zu fahren und einige Tage auf der Suche nach den größten kulinarischen Freuden zu verbringen.

Was nicht überrascht: die wirklichen Freuden und besonderen Genüsse zu finden ist eine besondere Kunst und der Weg zwischen den kleinen Inseln des besonderen Genusses ist auch mit der ein oder anderen Sackgasse und kleinen Fallen gespickt.

Treiben auf der Marktstraße Rue Mouffetard

Delikatessen, Cafés und Restaurants, die uns besonders begeistern konnten, wollen wir hier gern vorstellen. Dabei ballt sich unsere Erfahrung um das Quartier Latin, in dem wir untergebracht waren und von dem aus wir unsere Streifzüge unternommen haben.

Auslage der Gemüsehändler auf der Rue Mouffetard

In unserer Nähe gab es zwei Wochenmärkte, die wir besonders ans Herz legen möchten. Auf der Place Maubert (Di, Do und Sa von etwa 7 bis 15 Uhr) haben sich einige Geschäfte angesiedelt, in denen man wochentags immer frische Bio-Backwaren, Fisch, frisches Obst und Gemüse, fantastischen Käse und Fleischerwaren kaufen kann. An Markttagen gibt es zusätzlich einige Stände mit verschiedenen angebotenen Waren. Der Markt ist zwar klein, aber von guter Qualität und sehr günstig gelegen.
Ein sehr bekannter Markt ganz anderer Art ist der Markt auf der Rue Mouffetard (Mi bis So, morgens), der unterhalb der Kreuzung mit der Rue Calvin/Rue de l'Épée de Bois beginnt. Auf einer engen Straße drücken sich Menschen aneinander vorbei, um die Auslagen der ansässigen Geschäfte zu bestaunen. Viele Fleischer, Fromagerien, Delikatessenläden, Chocolaterien, Bäcker und Fischgeschäfte reihen sich aneinander. Der Markt ist auch ohne konkrete Einkaufswünsche ein Erlebnis und es gibt viel zu sehen.

frische Jakobsmuscheln
frische Fische und Meeresfrüchte

Was das Herz begehrt und das Meer hergibt

In Paris leben viele Immigranten aus dem Maghreb, die ihre vielseitigen kulinarischen Wurzeln hier weiterentwickeln. Wie bei uns Dönerbuden, gibt es in Paris eine Vielzahl libanesischer Schnellimbisse, die zum Beispiel die allgegenwärtigen Falafel aber auch andere nordafrikanische Speisen anbieten. Dem kulinarisch interessierten Paris-Reisenden bietet sich die seltene Möglichkeit, Einblick in eine nationale Küche zu bekommen, der man in Deutschland teilweise nur schwer begegnen kann. Deshalb haben wir uns für ein marokkanisches Restaurant in unserer Gegend entschieden, das Founti Agadir (117, Rue Monge). In sehr schönem Ambiente und bei wirklich nettem Service haben wir dort einen marokkanischen Abend verbracht und einige Spezialitäten gekostet, natürlich begleitet von einem typischen Minztee (auf Wunsch mit Pinienkernen). Was wir unbedingt empfehlen wollen, sind neben dem fantastischen Hummus die angebotenen Tajines. Schon wenn man das Restaurant betritt, riecht es verführerisch und das olfaktorische Vergnügen ist ein Teil des besonderen Erlebnisses, eine Tajine zu genießen. Wir hatten eine Lammtajine mit Kartoffeln, Oliven, Zwiebeln und confierten (salzigen) Zitronen ausgewählt und durften uns dann an einer sehr stimmigen Komposition mit (am Knochen gegartem) zartem Fleisch, sehr aromatischen Zwiebeln und perfekt gegarten Beilagen erfreuen. Wer also die Gelegenheit hat, hier in Paris eine Tajine zu probieren, sollte das unbedingt tun!

Wer wie wir zwar als Selbstversorger und mit Kochgelegenheit in Paris unterwegs ist, in seiner Küche aber praktisch nichts weiter als Töpfe und Teller vorfindet, der braucht gute Möglichkeiten, frische Leckereien zu kaufen. Wir haben am südlichen Ende der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève eine solche gefunden. Im Haus mit der Nummer 2 gibt es einen winzigen italienischen Feinkostladen, das Basilico, das neben Schinken, Salami, Käse und den üblichen italienischen Produkten wie Öle und Wein auch frische Antipasti und hausgemachte Ravioli in fünf Geschmacksrichtungen anbietet. Darunter zum Beispiel Prune-Chèvre. Also eine himmlische Kombination aus Ziegenfrischkäse mit Pflaumen. In dem Winzling steht außerdem ein kleines Tischchen, an dem man auch direkt etwas essen kann.

Skurriles im Quartier Latin

Geht man die Straße nach oben genau ans andere Ende, so verbirgt sich hinter Nummer 47 das Café Gaudeamus. Dort haben wir nur einen Espresso getrunken, auf den sich diese Empfehlung auch bezieht. Denn im Gaudeamus gibt es Herkunftskaffees aus mindestens sechs verschiedenen Anbauregionen. Unsere beiden Sorten waren einfach himmlisch. Zudem kommt das Café mit einem sehr schönen Ambiente daher, sodass es sich zwischen Kaffeesäcken und Weingläsern gut pausieren lässt. Wem bei seinem Päuschen dann nach einer kleinen Leckerei ist, der bekommt auf Wunsch auch einen café gourmand (so wie nahezu überall in Frankreich), bei dem sich für etwa 7 Euro zum guten Espresso noch drei kleine Desserts gesellen, die hausgemacht und ebenfalls sehr empfehlenswert sind.

Für Kochverrückte wie mich ist außerdem ein Besuch im Izraël Pflicht. Das Gewürzlädchen liegt im jüdischen Viertel Marais, in der 30, Rue François Miron. Man bekommt teils ausgefallene Gewürze und Zutaten sowie eine große Auswahl an Nüssen, Trockenfrüchten, Olivenölen, Aperitifs und Delikatessen. Wir haben hier neben Za'tar, Rosen und Süßholz noch confierte Tomaten und eine Auberginenpaste zum Probieren mitgenommen, die wir beide weiterempfehlen können. Besonders die Auberginenpaste war absolut grandios und sie wird bei jedem weiteren meiner Parisaufenthalte wieder in einem kleinen Einkaufstütchen landen.

Macarons bei Chocolats Richart

Nun eine besondere Empfehlung für verwöhnte Süßschnäbel. Natürlich haben wir in ganz Paris unglaublich viele Chocolatiers gesehen und einige besucht oder ausprobiert. Nach unserem Besuch bei Fabrice in Nizza fällt es uns unheimlich schwer, Pralinés zu finden, die uns noch überraschen und begeistern können. Hier in Paris haben wir Bekanntschaft mit dem Familienbetrieb der Richarts gemacht (Chocolats Richart gibt es in der 27, Rue Bonaparte und auf dem 28, Boulevard Saint-Germain sowie in weiteren französischen Städten). Sie bieten neben Macarons auch verschiedene Pralinés an. Einen Teil dieser Pralinés (die Petits Richart) aber nach einem Konzept, das uns sofort begeistern konnte. Zu sieben Themen gibt es jeweils sieben Geschmacksrichtungen, in kleinen Kostpröbchen. Natürlich konnten wir uns nicht für einen Teil der Kollektion entscheiden und nur das gesamte Sortiment mitnehmen (also 49 kleine Pralinés für etwa 35 Euro), das neben Pralinés aus bestimmten Kakaosorten (Herkunft z.B. Madagaskar, Venezuela) und verschiedenen Nusspralinés (Sesam, Pistazie) auch die Themen Früchte (Maroni, Mango-Maracuja), Blüten (Orangenblüte, Kamille), Gewürze (Curry, Muskatblüte), Kräuter (Matcha, Sternanis-Fenchel) und Zitrusfrüchte (Kalamansi, Bergamotte) umfasst. Der Schachtel mit den wunderschön gestalteten kleinen Kostbarkeiten liegt außerdem ein Heftchen bei, in dem es um die perfekte Verkostung und um Genuss geht. Hier sind wir definitiv bei Seelenverwandten angekommen!

Die Petits Richart

Am allerletzten Abend haben wir es dann endlich geschafft, bei einem richtig fantastischen Menü und grandiosen, passenden Weinen (die man sozusagen ebenfalls als Menü mitbestellen kann) unseren Aufenthalt in der Stadt der Genüsse gebührend zu begehen. Ein Restaurant dafür auszuwählen, versprach schwierig zu werden. Wurde es dann aber irgendwie doch nicht. Obwohl es eine Unmenge Restaurants gibt und auch sehr viele mit höherem Anspruch, gleichen sich die angebotenen Gerichte doch recht oft. Wenn für mich in der Dessertkarte nur eine Tarte tatin, ein Tartelette (citron oder chocolat) und verschiedene Eis- und Sorbetsorten stehen, dann fehlt mir die Kreativität und die möglichen Überraschungen. Ich möchte schon in der Karte die Möglichkeit sehen, dass hier neue Aromenkompositionen auf mich warten. Gefunden haben wir ein solches Restaurant in unserer Nähe schließlich in der 25, Rue Jussieu: das Le Buisson Ardent (der brennende Dornbusch). Die Kombination von Fenchel, Mango und Garnelen hat mich sofort in ihren Bann gezogen und wir wollen das Restaurant hiermit besten Gewissens als unseren kulinarischen Höhepunkt weiterempfehlen.
Von der Begrüßung über die Tischdeko und den Service bis zu den Weinen waren alle Details genau richtig und wir haben uns sehr willkommen gefühlt und ein fantastisches Essen in schöner Atmosphäre genossen.

Unser Menü:

 

Vorspeisen:

Cremige Artischockensuppe mit Trüffelöl, wilden Champignons und geräucherter Entenbrust, dazu Parmesanschaum

Garnelenravioli mit Koriandergrün auf geschmolzenem Fenchel-Mango-Gemüse mit geschäumter Safransauce


Hauptgänge:

Auf der Haut gebratenes Meeräschenfilet mit Bottargaspänen, cremigem Weizenrisotto, Parmesancrumble und Zitronengrasjus

Filt von der jungen Ente unter einer Dattelkruste dazu Weinjus mit Gewürzen, Kakao und Orangenschale sowie Kurkuma-Süßkartoffelpüree


Desserts:

Pochierte Williamsbirne mit Guineapfeffer, Lebkucheneis und Sauce caramel au beurre salé

"Kalt-Warm": Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern aus extra dunkler Schokolade, dazu Vanille-Ingwer-Eis und eine Sauce von frischen Beeren

Straßenmusiker auf der Pont Notre Dame

Man hat den Speisen nicht nur die Hingabe angemerkt, mit der sie zubereitet wurden, sondern auch die besondere Qualität der Zutaten. Außerdem warteten teilweise ungewöhnliche Zutaten und neue Kombinationen bekannter Aromen auf uns. Alles wurde sehr schön angerichtet und mit wundervoll passenden Weinen serviert. Wir würden jederzeit wiederkommen!

Kommentare:

  1. Danke für den kulinarischen Reisebericht. Das Restaurant ist vermerkt. Ich hab schon in der Onlinekarte gestöbert, und mir mein Menü zusammengestellt. =) Beim nächsten Parisaufenthalt wird das angesteuert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nicole,

      dann bin ich sehr auf deinen Bericht gespannt. Vielleicht hast du ja auch etwas anderes zu empfehlen. Würde mich für meine nächste Reise nach Paris sehr freuen.

      Die Karte des Le Buisson Ardent könnte sich bis zu deinem Aufenthalt in Paris allerdings noch ändern :)

      Liebe Grüße,
      Annett

      Löschen